Reso­lu­ti­on: Kei­ne Ein­spa­run­gen von Bund und Land auf Kos­ten der Kom­mu­nen tole­rie­ren – Bund und Land müs­sen Städ­te und Gemein­den bei der Inte­gra­ti­on unter­stüt­zen

Antrag
zur Sit­zung des Rates am 21. Novem­ber 2019.

Sehr geehr­ter Herr Ober­bür­ger­meis­ter Mast-Weisz,

die Frak­tio­nen und Grup­pen von SPD, GRÜNEN, DIE LINKE, FDP und W.i.R. bit­ten Sie, fol­gen­den Antrag auf die Tages­ord­nung der o.g. Sit­zung stel­len zu las­sen:

  • Der Rat der Stadt Rem­scheid for­dert den Bund auf, die Inte­gra­ti­ons­pau­scha­le als sei­ne Betei­li­gung an den Inte­gra­ti­ons­kos­ten der Län­der und Gemein­den nicht zu kür­zen.
  • Der Rat der Stadt Rem­scheid for­dert das Land Nord­rhein-West­fa­len auf, die Mit­tel, die der Bund den Län­dern zur Inte­gra­ti­on von Geflüch­te­ten ab 2020 zur Ver­fü­gung stellt, an die Kom­mu­nen kom­plett wei­ter­zu­lei­ten.
  • Das Land Nord­rhein-West­fa­len muss end­lich die Ergeb­nis­se des von ihm in Auf­trag gege­be­nen und seit Okto­ber 2018 vor­lie­gen­den Gut­ach­tens von Pro­fes­sor Lenk (Uni­ver­si­tät Leip­zig) berück­sich­ti­gen und dem­entspre­chend eine aus­kömm­li­che Anpas­sung der Pro-Kopf-Pau­scha­le für Asyl­su­chen­de rück­wir­kend ab dem 01.01.2018 beschlie­ßen.
  • Die Städ­te und Gemein­den leis­ten vor Ort viel Arbeit zur Inte­gra­ti­on und Schul­tern die­se Auf­ga­be, dann dür­fen die­se nicht auch noch die Kos­ten für gedul­de­te Geflüch­te­te tra­gen. Der Rat der Stadt Rem­scheid erwar­tet daher vom Land eine dau­er­haf­te Über­nah­me der Kos­ten für Gedul­de­te, die über die bis­he­ri­ge Zah­lung einer Pau­scha­le für drei Mona­te hin­aus­geht, zum Bei­spiel über eine Ein­be­zie­hung die­ser Per­so­nen­grup­pe in die Pro-Kopf-Pau­scha­le nach dem Flücht­lings­auf­nah­me­ge­setz (FlüAG).

Begrün­dung:

Der Bund stellt den Län­dern seit dem Jahr 2016 über ihren Umsatz­steu­er­an­teil eine jähr­li­che Inte­gra­ti­ons­pau­scha­le als sei­ne Betei­li­gung an den Inte­gra­ti­ons­kos­ten der Län­der und Gemein­den zur Ver­fü­gung. Im Jahr 2019 liegt die­se Pau­scha­le bei 2,435 Mil­li­ar­den Euro; dabei ent­fal­len rund 432 Mil­lio­nen Euro auf das Land Nord­rhein-West­fa­len. Der Bund hat jedoch ange­kün­digt, die Inte­gra­ti­ons­pau­scha­le von 2,435 Mil­li­ar­den Euro auf 700 Mil­lio­nen Euro (2020) und 500 Mil­lio­nen Euro (2021) zu sen­ken. Der Anteil Nord­rhein-West­fa­lens sinkt ent­spre­chend auf rund 151 Mil­lio­nen Euro im Jahr 2020. Die­se Kür­zung ist aus unse­rer Sicht nicht akzep­ta­bel. Die Inte­gra­ti­on der Flücht­lin­ge fin­det vor allem in den Kom­mu­nen statt, und die­se Auf­ga­be wird uns noch vie­le Jah­re beglei­ten.

Nach­dem im lau­fen­den Jahr die Inte­gra­ti­ons­pau­scha­le in Höhe von 432 Mil­lio­nen Euro kom­plett an die Kom­mu­nen wei­ter­ge­lei­tet wird, sieht der Ent­wurf des Lan­des­haus­halts für das Jahr 2020 kei­ne Wei­ter­ga­be der Mit­tel vor, son­dern die Lan­des­re­gie­rung möch­te die­se aus­schließ­lich als eige­ne Ein­nah­me­ver­bes­se­rung ver­bu­chen. Und das, obwohl aktu­ell im Ver­gleich zu 2016 über 1,7 Mil­li­ar­den Euro weni­ger an Lan­des­mit­teln für Unter­brin­gung und Inte­gra­ti­on zur Ver­fü­gung gestellt wer­den müs­sen. Die Lan­des­re­gie­rung will also trotz immer noch hoher Steu­er­ein­nah­men und gleich­zei­tig zurück­ge­hen­der eige­ner Aus­ga­ben für Inte­gra­ti­on und Unter­brin­gung die Bun­des­mit­tel wie­der kom­plett allei­ne ein­strei­chen. Die Kom­mu­nen hin­ge­gen, die ab 2020 auf den Groß­teil aus der Inte­gra­ti­ons­pau­scha­le ver­zich­ten müs­sen und deren Kos­ten für die Finan­zie­rung der Geflüch­te­ten und spe­zi­ell der Gedul­de­ten wei­ter wach­sen, gehen leer aus.

Das soge­nann­te Lenk-Gut­ach­ten, das vom zustän­di­gen Lan­des­mi­nis­te­ri­um in Auf­trag gege­ben wur­de, kommt zu dem Ergeb­nis, dass die zur­zeit gel­ten­de Pau­scha­le nach dem Flücht­lings­auf­nah­me­ge­setz (FlüAG) für die Kom­mu­nen in Höhe von 10.392 Euro pro Geflüch­te­tem pro Jahr vor allem für die kreis­frei­en Städ­te nicht aus­kömm­lich ist. Statt rund 10.300 Euro pro Geflüch­te­tem benö­ti­gen die meis­ten kreis­frei­en Städ­te jeweils 13.500 bis 16.000 Euro.

Das Land soll­te schnellst­mög­lich die gesetz­li­che Grund­la­ge schaf­fen, damit die Kom­mu­nen end­lich Klar­heit und Ver­läss­lich­keit bei der Finan­zie­rung der Geflüch­te­ten erhal­ten. Dazu gehört die Umset­zung des schon lan­ge vor­lie­gen­den Gut­ach­tens der Uni­ver­si­tät Leip­zig zur finan­zi­el­len Aus­ge­stal­tung der Pro-Kopf-Pau­scha­le für Asyl­su­chen­de nach dem FlüAG. Seit 2018 ent­hält das Land den Kom­mu­nen laut der gut­ach­ter­li­chen Bewer­tung rund 300 Mil­lio­nen Euro vor. Die­ses Geld fehlt vor Ort für gute Unter­brin­gung und Inte­gra­ti­ons­an­ge­bo­te. Außer­dem soll­te das Land für die mit der Bun­des­re­gie­rung ver­ein­bar­ten wei­te­ren Mit­tel für die Inte­gra­ti­on zur Ent­las­tung bei der Inte­gra­ti­on eine ver­bind­li­che und aus­kömm­li­che Rege­lung zur finan­zi­el­len Betei­li­gung der Kom­mu­nen fin­den, damit die­se ent­spre­chend Pla­nungs­si­cher­heit erhal­ten. Und nicht zuletzt bedarf es end­lich einer dau­er­haf­ten Über­nah­me der Kos­ten für die län­ger als drei Mona­te in Deutsch­land leben­den Gedul­de­ten. Die Inte­gra­ti­ons­ar­beit ist eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be, und es ist daher die gemein­sa­me Ver­ant­wor­tung von Bund und Land, die Kom­mu­nen mit einer aus­kömm­li­chen Finan­zie­rung bei ihrer Inte­gra­ti­ons­ar­beit zu för­dern und so den sozia­len Frie­den vor Ort zu sichern.

gez. Sven Wolf
gez. Bea­tri­ce Schlie­per
gez. Fritz Bei­ners­dorf
gez. Wolf Lüt­tin­ger
gez. Wal­traud Boden­stedt