Ber­gi­sche Mor­gen­post vom 24.05.2019 — Poli­tik mit Fami­li­en­an­schluss

Die Wäh­ler­ge­mein­schaft hat mit Jona­than Brüt­zel (21) einen neu­en Vor­sit­zen­den.
Von Hen­ning Röser

Für Jona­than Brüt­zel gehö­ren poli­ti­sche Gesprä­che zum All­tag. Sein Vater war lan­ge Vor­sit­zen­der der Wäh­ler­ge­mein­schaft in Rem­scheid, seit 2014 sitzt er für die W.i.R. im Rat. Auch sein Onkel ist poli­tisch aktiv. Nach zwei Jah­ren als Mit­glied des Aus­schus­ses für Stadt­ent­wick­lung über­nimmt Jona­than (21) nun den Vor­sitz der W.i.R. von Roland Kirch­ner (57), der 1999 zu den Grün­dern gehör­te.

Ein Genera­tio­nen­wech­sel, der kei­nen Rich­tungs­wech­sel bedeu­tet, machen bei­de klar. Was ist das Bes­te für Rem­scheid? Die­se Fra­ge ste­he im Mit­tel­punkt aller Dis­kus­sio­nen im Büro an der Beet­ho­ven­stra­ße, sagt Brüt­zel. Die W.i.R. ent­wick­le Ide­en, suche dann Part­ner für die Umset­zung. Oft sind das SPD, Grü­ne und FDP. Oder umge­kehrt. Anders als in einer fes­ten Koali­ti­on macht die W.i.R. nur dann mit, wenn sie vom Antrag über­zeugt ist. „Wir müs­sen kei­ne Krö­ten schlu­cken“, sagt Kirch­ner.

Für gute Ide­en sei man offen. Ger­ne wür­de die Wäh­ler­ge­mein­schaft häu­fi­ger mit der CDU Pro­jek­te anschie­ben. Es gebe Berüh­rungs­punk­te. Die prak­ti­sche Zusam­men­ar­beit sei aber schwie­rig, sagt Geschäfts­füh­re­rin Ina Gar­weg. Das Prin­zip der wech­seln­den Mehr­hei­ten sei gut für die Demo­kra­tie, sagt Kirch­ner. Die Ver­wal­tung müs­se die Poli­tik immer wie­der aufs Neue über­zeu­gen. Dass bei die­ser Arbeits­wei­se für den Bür­ger nicht immer klar wird, von wem die Initia­ti­ve für ein Pro­jekt kommt, muss die W.i.R. akzep­tie­ren. Dass etwa die Tras­se des Werk­zeugs in die Jah­re gekom­men ist und dort drin­gend etwas pas­sie­ren muss, mach­te die W.i.R. früh klar. Spä­ter griff die SPD das The­ma medi­en­wirk­sam auf.

Gera­de hat die W.i.R. eine Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on mit dem schö­nen Namen „Juwä­ehl“ gegrün­det. Eine der bei­den Vor­sit­zen­den ist Karo­li­ne Brüt­zel, die Schwes­ter von Jona­than. Die zwei­te trägt den ver­trau­ten Namen Gar­weg. Poli­tik ist bei der 20 Mit­glie­der klei­nen W.i.R. oft Fami­li­en­sa­che. Man wol­le jun­gen Men­schen eine „Platt­form für Enga­ge­ment“ bie­ten, sagt Brüt­zel. Ein Ziel ist es, sich dem Ring poli­ti­scher Jugend anzu­schlie­ßen. Dort sol­len die jun­gen Leu­te mit Mit­glie­dern ande­rer Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen ins Gespräch kom­men. Ob sie am Ende bei der W.i.R. blei­ben, ste­he nicht im Vor­der­grund. „Daher haben wir auch immer den Jugend­rat unter­stützt“, sagt Kirch­ner. Sei­ne Kin­der waren dort aktiv.

Ob die Wäh­ler­ge­mein­schaft bei der Kom­mu­nal­wahl 2020 einen OB-Kan­di­da­ten auf­stellt, sei noch nicht ent­schie­den, sagt Brüt­zel. Das hän­ge von den Kan­di­da­ten ab, die die gro­ßen Par­tei­en auf­stel­len.