Wahl­kämp­fe­rin schießt nur klei­ne Pfei­le ab

rga vom 19.08.2020 Von Axel Rich­ter
Die Rem­schei­der Wirt­schaft bat zur Podi­ums­dis­kus­si­on: Ein öffent­li­cher Schlag­ab­tausch der OB-Kan­di­da­ten ver­lief ohne Bles­su­ren.
Er war gar nicht da und doch prä­sent: Horst Kläu­ser, der nach sei­ner Wahl­wer­bung für den amtie­ren­den Ober­bür­ger­meis­ter mit der CDU im Streit liegt, wur­de beim ers­ten gemein­sa­men Schlag­ab­tausch der Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­da­ten vor der Kom­mu­nal­wahl am 13. Sep­tem­ber zu einer Art Run­ning Gag. Der Podi­ums­dis­kus­si­on, zu der die Rem­schei­der Wirt­schafts­ju­nio­ren mit der Ber­gi­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) in den Indoor-Action-Park der Fir­ma Hudo­ra ein­ge­la­den hat­te, fehl­te es dage­gen an der nöti­gen Schär­fe.
Das lag weni­ger an den Mode­ra­to­ren Oli­ver Kned­lich und Tho­mas Strycker, son­dern an den fünf Kan­di­da­ten. Nur Ale­xa Bell (CDU), die Ober­bür­ger­meis­ter Burk­hard Mast-Weisz (SPD) aufs Alten­teil schi­cken möch­te, schoss gele­gent­lich Pfei­le auf den Amts­in­ha­ber ab. Mast-Weisz ist jüngst erneut Groß­va­ter gewor­den. Sie freue sich für ihn, erklär­te die Christ­de­mo­kra­tin: „Dann weiß er ja, was er als Rent­ner dem­nächst zu tun hat.“
Doch Mast-Weisz fühlt sich zu jung für die Ren­te. Und BMW, wie der Ver­wal­tungs­chef auf­grund sei­ner Initia­len von vie­len genannt wird, gel­te als volks­nah und beliebt, wie die Mode­ra­to­ren fest­hiel­ten: „Jetzt kommt noch Horst Kläu­ser als pri­va­ter Wahl­kampf­hel­fer, was soll da noch schief gehen?“ Den Ball nahm Mast-Weisz dan­kend auf. Er habe zu viel Respekt vor Wah­len, um sich schon als Sie­ger zu sehen. Mit sei­ner Bilanz zeig­te er sich rück­bli­ckend zufrie­den. 2015 sah sich die Stadt mit der Flücht­lings­kri­se kon­fron­tiert. Zugleich gab die Stadt 100 Mil­lio­nen mehr aus, als sie ein­nahm, und Kla­gen, unter ande­rem aus Wup­per­tal, bedroh­ten das DOC. „Wir haben den Haus­halt in den Griff bekom­men, wir haben in Kitas und Schu­len inves­tiert, und wir haben die Kla­gen aus Wup­per­tal vom Tisch bekom­men“, bilan­zier­te der OB. Dass die Bag­ger immer noch nicht roll­ten, stö­re auch ihn. Auch habe er das Berufs­kol­leg Wirt­schaft und Ver­wal­tung nicht auf die Allee­stra­ße bekom­men. „So rich­tig böse Sachen, die gefloppt sind, fal­len mir aber nicht ein“, erklär­te Mast-Weisz.
Den ande­ren schon. „Die Neu­pla­nung des Fried­rich-Ebert-Plat­zes war mies und die Bau­ge­neh­mi­gung für das DOC die dümms­te Ent­schei­dung aller Zei­ten“, erklär­te Fritz Bei­ners­dorf (Die Lin­ke). „Mit dem Geld hät­te man vie­le ande­re Din­ge machen kön­nen“, hielt auch Bet­ti­na Stamm (Echt Rem­scheid) fest. Und Roland Kirch­ner (WiR) erin­ner­te mit dem Bou­le­vard Köl­ner Stra­ße in Len­nep an Pro­jek­te, aus denen bis heu­te nichts gewor­den ist.
Den­noch gaben die Kon­tra­hen­ten dem Amts­in­ha­ber ver­gleichs­wei­se gute Noten. Eine Zwei plus gab´s für Mast-Weisz von Kirch­ner, von Bei­ners­dorf sogar eine glat­te Zwei. Nur von Ale­xa Bell setz­te es was: „Eine Vier minus. Damit darf er nicht sit­zen­blei­ben, son­dern muss die Schu­le ver­las­sen.“
Fahrt nahm die Dis­kus­si­on erst auf, als es um die Stadt­fi­nan­zen in der Coro­na-Kri­se ging. Wäh­rend Mast-Weisz an den gro­ßen Inves­ti­tio­nen am Rat­haus und am Fried­rich-Ebert-Platz fest­hal­ten will, um die hei­mi­sche Wirt­schaft zu unter­stüt­zen, übte Ale­xa Bell Kri­tik dar­an. Der geplan­te Anbau für das Rat­haus gehö­re auf den Prüf­stand („Wir brau­chen kein neu­es Wohn­zim­mer.“) und die Kos­ten für den Ebert-Platz gede­ckelt. Dazu sieht sie die Inter­es­sen der Wirt­schaft im Rat­haus nicht gut ver­tre­ten und tritt des­halb für ein „Dienst­leis­tungs­zen­trum für Unter­neh­men“ ein. Dazu müs­se die Stadt stär­ker für sich wer­ben, doch nach wie vor feh­le ein Tou­ris­mus­kon­zept für das DOC.
Mast-Weisz kon­ter­te. In der nächs­ten Woche wer­de er das geplan­te Tou­ris­mus­bü­ro im DOC der Öffent­lich­keit vor­stel­len. Dar­über hin­aus: Er selbst und Bau­de­zer­nent Peter Hein­ze stün­den in stän­di­gem Kon­takt mit den Unter­neh­mern. Doch Roland Kirch­ner pflich­te­te Ale­xa Bell bei. Zu oft müss­ten sich Unter­neh­mer, die in Rem­scheid etwas bewe­gen woll­ten, „wie Bitt­stel­ler vor­kom­men“. Dass da was dran ist, unter­strich IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Micha­el Wen­ge. „Da gibt es noch Luft nach oben.“ Mit der Dis­kus­si­on zeig­te er sich am Ende zufrie­den. Obwohl: „In Wup­per­tal, wo die Unter­neh­mer glei­che Ver­an­stal­tung pla­nen, dürf­te es zwi­schen Herrn Mucke und Herrn Schnei­de­wind här­ter zur Sache gehen.“