Stadt will das Radwegenetz ausbauen

Stadt will das Radwegenetz ausbauen
RGA - Remscheider General-Anzeiger vom 31.01.2018

Politik erhöht Druck. Konzept eines externen Gutachters soll noch dieses Jahr präsentiert werden.
Mit einem kräftigen Tritt in die Pedale will die Stadtverwaltung den Radverkehr in Remscheid endlich auf Touren bringen. Im Herbst 2017 wurde ein Dortmunder Ingenieurbüro beauftragt, ein Radwegekonzept zu erstellen. 40 000 Euro werden dafür ausgegeben. Die Ergebnisse sollen in diesem Jahr präsentiert werden. Es wird auch höchste Zeit, hieß es unlängst im Sportausschuss. Dessen Vorsitzender Markus Kötter (CDU) stellte enttäuscht fest: „Wir haben die letzten 15 Jahre nichts gemacht, während alle Welt die Abkehr vom motorisierten Individualverkehr fördert.“

Radschnellwege seien bundesweit im Kommen. Als lokales Beispiel nannte Kötter den Erfolg der auch von vielen Auswärtigen frequentierten Balkantrasse. Die Verkehrsplaner bei der Stadt setzen darauf, dass die Lücken zwischen den Trassen – auch der Werkzeugtrasse – und den Radwegen der Nachbarstädte geschlossen werden. Die Ratsgruppe der WiR wünscht sich eine Anbindung an die Nordbahntrasse (über 23 Kilometer quer durch Wuppertal) und darüber hinaus an den Bergischen Panorama-Radweg.

Auch die Lüttringhauser sehnen sich nach einer Verlängerung der Balkantrasse vom Lenneper Bahnhof bis Blume. Dies betonte der Heimatbund beim Kottenbutteressen Mitte Januar. „Ich finde es erfreulich, dass sich die Politik mit dem Radverkehr ernsthaft auseinandersetzt“, sagt Christiane Karthaus, Vorsitzende des Heimatbunds. Neben dem Anschluss an die Balkantrasse fordert sie eine Verbesserung der Radfahrmöglichkeiten in ihrem Stadtteil. „Gerade im Bereich des Tannenhofs ist der Radfahrer meist ungeschützt.“

Balkantrasse: Kleingartenanlage könnte sperriges Hindernis sein
Beim Projekt „Verlängerung der Balkantrasse“ (Grafik: rot- gestrichelte Linie) sieht Andreas Roeschies, Sprecher der Kreisgruppe Remscheid des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) einige Hindernisse im Weg. „Ein Knackpunkt ist eine Lenneper Kleingartenanlage. Die Verlängerung der Balkantrasse würde quer durch sie hindurch führen“, sagt Roeschies. Wo jetzt ein Fußweg ist, müsste eine fahrradtaugliche Straße entstehen. Dass dies bei den Kleingarten-Freunden für Begeisterung sorgt, bleibt zu bezweifeln. Als Freund eines Radweg-Ausbaus stellte sich Dezernent Thomas Neuhaus im Sportausschuss vor. Er habe Radsportler und Fahrradgeschäft-Besitzer in der Familie, erklärte er.

Neuhaus versprach, eine „ernsthafte Diskussion“ führen zu wollen. Am 19. März soll es einen Ideen-Workshop geben, zu dem die Stadtentwickler den ADFC, den Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Bürger einladen. 25 Jahre danach kommt Bewegung in das Thema. Anno 2002 ließ die Stadt eine „Rad- und Freizeitkarte“ entwickeln, die bestehende Radwege und ihre Beschaffenheit darstellte sowie Routenempfehlungen gab. Das war’s. Fahrradfreundlich ist Remscheid nicht geworden. Die Verwaltung räumt auf eine CDU-Anfrage für den Sportausschuss ein: „Es gibt nur wenige Straßenabschnitte mit speziellen Radverkehrsanlagen“: ein paar baulich getrennte Radwege (z.B. Bismarckstraße im Bereich Hauptbahnhof), Radfahrstreifen (z.B. Neuenkamper-, Klausener Straße) oder Schutzstreifen (z.B. Schützenstraße). Sonst teilen sich Radfahrer den Asphalt mit Autofahrern.

Die Stiftung Tannenhof hält für ihre Mitarbeiter in Lüttringhausen 50 überdachte Fahrrad-Stellplätze vor. Die Stadtverwaltung hat diese nicht, gelobte in der Stellungnahme aber, die Einrichtung solcher Stellplätze zu prüfen. Ein Zeichen zum Sinneswandel in Sachen Fahrrad im Rathaus ist das Angebot, dass Mitarbeiter ab 2018 die Möglichkeit haben, einen unverzinslichen Vorschuss für die private Beschaffung eines Pedelecs zu erhalten.

Autor: Andreas Weber und Daniel Dresen

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