Positionspapier der W.i.R. zu Schulformen und Schulpolitik in Remscheid ab dem Schuljahr 2012/2013 (Stand Juni 2011)

Positionspapier der W.i.R. zu Schulformen und Schulpolitik in Remscheid ab dem Schuljahr 2012/2013 (Stand Juni 2011)

Stand: In Remscheid gibt es eine erhöhte Nachfrage nach einer dritten Gesamtschule. Rund 180 Kinder werden jedes Jahr von den beiden existierenden Gesamtschulen abgewiesen. Zur aktuellen Situation gibt es umfangreiches Zahlenmaterial der Verwaltung.  Bei Betrachtung der Anmeldezahlen für die unterschiedlichen Schulformen der Sekundarstufe I für das Schuljahr 2011/2012 kann man deutlich erkennen, welche Schulformen "ausbluten" würden, wenn es eine 3. Gesamtschule in Remscheid geben würde. Aus diesem Grund muss man sich Gedanken über die Bildungsmöglichkeiten der betroffenen Kinder machen, deren Wunsch bei der Schulformwahl nicht berücksichtigt werden konnte. Hierbei müssen W.i.R. unseren Blick auf die Gebäude richten, da das Land für Bildungsinhalt und -qualität zuständig ist.

Die mittelfristige und langfristige Zukunft der vier Remscheider Gymnasien wird bei unserer Betrachtung ausgeklammert, da wir zur Zeit keinen Änderungsbedarf sehen. Aufbauend auf den vorhandenen Zahlen sowie eigenen Erkenntnissen ergeben sich aus unserer Sicht folgende Alternativen:

  1. Status quo wird beibehalten
  2. Eine dritte Gesamtschule wird eingerichtet
  3. Es werden je nach Bedarf Gemeinschaftsschulen eingerichtet

Zu 1 - Status quo wird beibehalten
Obwohl an den Hauptschulen in Remscheid eine außergewöhnlich gute Arbeit geleistet wird, kann die Schulform auf Grund mangelnden Interesses nicht erhalten bleiben. Wegen des zu unrecht schlechten Images ist die Akzeptanz bei den Eltern und Kindern kontinuierlich gesunken. Ein klares Zeichen dafür ist der Sturm auf die Gesamtschulen. In einer umfänglichen Abhandlung haben W.i.R. schon im Jahr 2010 die Zusammenhänge dargestellt. Leider hat sich unser damaliges Fazit bestätigt.

Wer sich intensiv mit den Fakten und Statistiken beschäftigt, wird erkennen müssen, dass die Anmeldezahlen an den Gesamtschulen den Elternwillen nicht wirklich darstellen. Offensichtlich ist den Eltern eine verlässliche Ganztagsbetreuung wichtiger als die Schulform Gesamtschule. Würde man alle angemeldeten Kinder an der Gesamtschule aufnehmen, würden die Schüler mit Hauptschulempfehlung mindestens einen Anteil von 50 % ausmachen. Diese Tatsache lässt das ungerechtfertigte Imageproblem der Hauptschule erkennen. Es gibt keinen erhöhten Gesamtschulbedarf, sondern eine Hauptschulflucht.

Zu 2 - Eine dritte Gesamtschule wird eingerichtet
Fakt ist,

  • Eine dritte Gesamtschule wäre mit 6 Zügen nach dem heutigen Anmeldeverhalten ausgelastet
  • Eine dritte Gesamtschule muss in vorhandenen Gebäuden untergebracht werden.
  • Eine dritte Gesamtschule würde nicht die Infrastruktur der „Vorzeige-Gesamtschule Sophie-Scholl“ haben.

 

Nach dem heutigen Anmeldeverhalten würden die Remscheider Hauptschulen wie folgt betroffen, wenn eine dritte Gesamtschule eingerichtet würde.

Hauptschulen

Ist-Zustand bei zwei Gesamtschulen

Prognose bei drei Gesamtschulen

GHS Hackenberg

2-3 zügig; (82 + 2 Anmeldungen)

2-zügig

GHS Klausen

Keine Eingangsklasse;
Spätestens in 5 Jahren Schließung
zu schließen
GHS Rosenhügel 1-zügig; (18 + 0 Anmeldungen); 2012 keine Eingangsklasse zu schließen

GHS Wilhelmstraße

2-3 zügig; (58 + 0 Anmeldungen)

2-zügig

(Anmeldung: Remscheider Kinder + auswärtige Kinder)

 

Nach dem heutigen Anmeldeverhalten würden die Remscheider Realschulen wie folgt betroffen, wenn eine dritte Gesamtschule eingerichtet würde. 

Realschulen Ist-Zustand bei zwei Gesamtschulen Prognose bei drei Gesamtschulen
Alexander-von-Humboldt 4-zügig (106 + 2      Anmeldungen) 2-zügig oder Zusammenlegung mit Albert-Schweizer (Schließung)
Albert-Schweitzer 4-zügig (110 + 9     Anmeldungen) 2-zügig oder Zusammenlegung mit AvH (Schließung)

(Anmeldung: Remscheider Kinder + auswärtige Kinder)

 

  • Dieses „Ausbluten“ von Haupt- und Realschulen würde zusätzlich durch den demographischen Wandel beschleunigt. Pro Jahr wird eine Klasse (rund 25 Kinder) weniger in das Schulsystem eintreten.
  • Kurz- bzw. mittelfristig sind rein rechnerisch in Remscheid nur noch eine Hauptschule (statt 4) und eine Realschule (statt 2) ausgelastet.
  • Der Anteil der Schüler mit Hauptschulempfehlung, die eine Gesamtschule besuchen, steigt mit allen daraus resultierenden nachteiligen Folgen drastisch an. Die Gefahr, dass sich die schon heute deutlich zu beobachtende Schieflage hinsichtlich der Kinder mit unterschiedlichen Schulformempfehlungen zwischen den Gesamtschulen Sophie-Scholl und Albert Einstein vergrößert, ist wahrscheinlich. Schon heute im Anmeldeschuljahr 2011 gibt es in der Albert Einstein Gesamtschule keinen Schüler mit eingeschränkter gymnasialer Empfehlung oder gymnasialer Empfehlung. Es müsste also zwischen den künftigen drei Gesamtschulen ein einheitliches Vergabeverfahren geben, um eine gleichmäßige Verteilung der unterschiedlichen Schulformempfehlungen zu erreichen, damit die Bildungsqualität gleichmäßig sichergestellt wird.
  • Die Qualität der Gesamtschulen wird unabweisbar sinken.
  • Der verbleibenden Hauptschule wird das Image der „Resteschule“ anhaften.

Resümee: Das ist ein schwieriger Weg, bei dem es nicht nur Gewinner gibt. Aus Sicht der W.i.R.-Fraktion besteht die Gefahr, dass mittelfristig die Gesamtschulen ein vergleichbares Imageproblem bekommen wie es heute die Hauptschulen haben.

Zu 3 - Es werden je nach Bedarf Gemeinschaftsschulen eingerichtet
Fakt ist:

  • Eine Umstellung geschieht schleichend und kann sich den Gegebenheiten anpassen und relativ leicht in vorhandenen Gebäuden umgesetzt werden.
  • Die willigen Schulen müssen es selber beantragen.
  • Eine „Resteschule“ wird vermieden.
  • Eine Beschulung kann wohnortnäher erfolgen.
  • Überzeugungsarbeit bei den Eltern wird nötig sein.

Grundsätzliches:

Aus Sicht der W.i.R. wird in der laufenden Diskussion völlig vernachlässigt, dass viele Schüler zum Zeitpunkt des Wechsels auf eine weiterführende Schule (Sek. I) immer noch beträchtliche Sprachdefizite aufweisen. Dies gilt insbesondere bei den Schülern, welche „nur“ eine Hauptschulempfehlung haben.

Diese „Problemfälle“ werden, wenn nicht gegengesteuert wird, unverändert in die dritte Gesamtschule bzw. in die Gemeinschaftsschule „geschleppt“ und dauerhaft das Niveau senken.

W.i.R.-Position:

Die W.i.R. ist überzeugt, dass eine dritte Gesamtschule nicht die Lösung ist. Falls es eine politische Mehrheit für eine dritte Gesamtschule geben sollte, erwartet die W.i.R.-Fraktion, dass gleichzeitig folgende gesamtpolitischen Beschlüsse gefasst werden, um der Stadt Remscheid eine jahrelange Standortdiskussion der „Verlierer“ zu ersparen und um Planungssicherheit zu schaffen:

  • Wie kann das Problem der übriggebliebenen Hauptschule („Resteschule“) geklärt werden?
  • Wo und wann kommt die dritte Gesamtschule?
  • Wird ein einheitliches Vergabeverfahren eingeführt?
  • Welche Haupt- und Realschulen werden ab wann ausgeschlichen (geschlossen)?
  • Die W.i.R. erwartet einen Konzeptvorschlag für die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen. Wobei W.i.R. den Schwerpunkt des Unterrichtes nicht zwingend in der Erhöhung der Abiturquote sehen, sondern vielmehr in der Ausbildungsfähigkeit der jungen Menschen zu zukünftigen Fachkräften für die bergische Wirtschaft.
  • Die W.i.R. schlägt vor, in Zukunft in den weiterführenden Schulen (Gesamt- und/oder Gemeinschaftsschulen) einen bilingualen (fremdsprachigen) Unterricht auf freiwilliger Basis einzurichten. Dazu erwartet die W.i.R. einen Konzeptvorschlag der Verwaltung.

  • Die W.i.R. favorisiert die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen.
  • Schwerpunkt des Unterrichtes soll nicht zwingend die Erhöhung der Abiturquote sein, sondern vielmehr die Ausbildung von qualifizierten Fachkräften für die bergische Wirtschaft.
  • Die Vergabe der Plätze für die 2 vorhandenen Gesamtschulen sollte einheitlich erfolgen, um eine gleichmäßigere „Durchmischung“ sicherzustellen. Dies ist um so wichtiger, sollte es zu einer dritten Gesamtschule kommen.
  • In Gemeinschafts- und Gesamtschulen sollte auf freiwilliger Basis ein bilingualer (fremdsprachiger) Unterricht eingeführt werden.

P.S.: Der Wählergemeinschaft ist bewusst, dass die Schulform Gemeinschaftsschule noch einige rechtliche Hürden nehmen muss. Natürlich kann man eine neue Schulform nicht versuchsweise starten, sondern man sollte sich durch entsprechende Gesetze absichern. W.i.R. gehen aber davon aus, dass der Landtag mit breiter Mehrheit eine Lösung finden wird, die auch vor den Verwaltungsgerichten Bestand hat. Lesen Sie hier einen Bericht der Rheinischen Post zu diesem Thema.

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